04.12.2025 / 20:00-21:30 Uhr
Krisen und Traumatisierungen in der Peripartalzeit – Erkennen, Verstehen, Begleiten
— Präsenzveranstaltung
Referentin: Julia Schumann
Donnerstag, 04.12.25, 20:00 Uhr
Der Vortrag widmet sich einem Thema, das häufig im Verborgenen bleibt, obwohl es tiefgreifende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Müttern, Partner:innen und ganzen Familien haben kann: Traumatisierungen in der sensiblen Zeit rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Während Geburten gesellschaftlich oft als freudige und „natürliche“ Ereignisse beschrieben werden, erleben etwa 20 % der Frauen ihre Geburt als traumatisch. Bei rund 10 % entwickelt sich in den ersten Wochen nach der Entbindung eine akute traumatische Stressreaktion, und bei etwa 3 % entsteht eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – in Hochrisikogruppen sogar bei bis zu 15–20 %. Viele Betroffene schweigen aus Scham, Schuldgefühlen oder dem Gefühl, nicht den Erwartungen an eine „gute Mutter“ zu genügen.
Dadurch bleiben Ängste, Schmerz und Ohnmacht häufig unerkannt – ebenso wie die (sekundäre) Traumatisierungen von Partner:innen, die sich in der Geburtssituation hilflos oder ausgeschlossen erleben. Traumatische Erfahrungen in der Peripartalzeit können jedoch weit über den Geburtsverlauf hinausgehen: Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft oder nach der Geburt, eine schwere Erkrankung oder die Trennung vom Neugeborenen – etwa durch medizinische Komplikationen oder notwendi-
ge Intensivbehandlung – können ebenso tiefe seelische Wunden hinterlassen. Anhand verschiedener Beispiele aus der Praxis wird aufgezeigt, wie peripartale Traumatisierungen entstehen, wie sie sich äußern und wie Fachkräfte betroffene Eltern einfühlsam begleiten können. Ziel ist es, für ein besseres Verständnis dieser oft tabuisierten Erfahrungen zu sensibilisieren – und Wege aufzuzeigen, wie aus Sprachlosigkeit wieder Beziehung, Vertrauen und Heilung entstehen können.
Julia Schumann ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin (TfP) mit Weiterbildungen in systemischer Beratung und Frühen Hilfen. Sie arbeitet seit vielen Jahren im Kontext von Beratung und Begleitung während Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft – sowohl im klinischen Umfeld als Psychologin im Perinatalzentrum im St. Joseph Krankenhaus Berlin als auch in eigener Praxis. Ihre Arbeit konzentriert sich darauf, die seelische Gesundheit rund um Schwangerschaft und Geburt zu stärken, sich in der Etablierung eines fachlichen Netzwerkes zu engagieren und Erfahrungen sowie Wissen weiterzugeben.
Jede:r Teilnehmer:in ist eingeladen hinsichtlich eigener Erfahrungen oder Betroffenheit achtsam mit den eigenen Grenzen umzugehen und die Teilnahme selbstbestimmt zu gestalten.
Institut für ppt Berlin
Jenaer Str. 7
10117
Elias Luckner
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