Patient:innen

Wenn Sie Patient:in sind und mehr über psychodynamische Psychotherapie erfahren möchten, finden Sie hier Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen über dieses Therapieverfahren. Darüber hinaus steht Ihnen eine Liste von tiefenpsychologisch arbeitenden Kolleg:innen sowie Adressen von Institutsambulanzen unserer Ausbildungsinstitute zur Verfügung. Dort besteht oft die Möglichkeit, deutlich schneller einen Behandlungsplatz zu erhalten.

Psychodynamische Psychotherapie – Behandlung & Wirkung

In Deutschland wird im offiziellen Sprachgebrauch der Begriff „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“ verwendet. Er bezeichnet ein aus der Psychoanalyse hervorgegangenes Verfahren, das in der Versorgung als eigenständige Form der Psychotherapie anerkannt ist. International ist dieser Begriff jedoch kaum gebräuchlich. Stattdessen spricht man von „psychodynamic psychotherapy“, einem Ausdruck, der die theoretische Basis – die Dynamik unbewusster seelischer Prozesse und zwischenmenschlicher Beziehungen – treffender beschreibt. Im Folgenden wird daher der international gebräuchlichere Begriff psychodynamische Psychotherapie verwendet.

Die psychodynamische Psychotherapie umfasst verschiedene Verfahren, die gemeinsame Wurzeln in der Psychoanalyse haben, sich jedoch in Intensität, Setting und therapeutischem Fokus unterscheiden. Die klassische Psychoanalyse (Analytische Langzeitpsychotherapie) findet meist zwei- bis dreimal pro Woche statt und umfasst in der Regel 200 bis 300 Sitzungen über mehrere Jahre. Typisch ist das Couch-Sessel-Arrangement, bei dem der:die Patient:in liegt, während der Therapeut oder die Therapeutin außerhalb des Blickfeldes sitzt. Im Mittelpunkt steht eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit unbewussten Konflikten und Beziehungsmustern. Ziel ist es, strukturelle Veränderungen zu bewirken und eine Nachreifung der Persönlichkeit zu ermöglichen. Patient:innen sollen dadurch langfristig neue Fähigkeiten im Umgang mit Gefühlen, Konflikten und Beziehungen entwickeln

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist weniger intensiv. Sie findet üblicherweise ein- bis zweimal pro Woche statt, umfasst meist 60 bis 120 Sitzungen und wird im face-to-face-Setting durchgeführt. Im Vordergrund steht die Bearbeitung unbewusster Konflikte, wie sie sich in aktuellen Lebensumständen und insbesondere in gegenwärtigen Beziehungen zeigen. Während sie weniger stark auf Nachreifung und grundlegende strukturelle Veränderungen ausgerichtet ist als die Psychoanalyse, können im Rahmen einer tiefenpsychologischen Behandlung dennoch auch strukturelle Defizite bearbeitet und so die Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden. Ziel bleibt es, ein inneres Gleichgewicht wiederherzustellen und die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung zu verbessern.
Damit wird deutlich: Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie konzentriert sich stärker auf aktuelle Konflikte und deren biografische Hintergründe, während die Psychoanalyse eine intensivere, längerfristige Auseinandersetzung mit dem Ziel tiefgreifender Persönlichkeitsveränderungen und Nachreifung anstrebt.

Allen psychodynamischen Verfahren gemeinsam ist die Annahme, dass unsere Psyche und auch unsere körperliche Gesundheit maßgeblich durch frühe Lebenserfahrungen geprägt werden. Manche dieser Erfahrungen wirken unbewusst weiter. Dazu gehören beispielsweise ungelöste innere Konflikte, die das spätere Leben, das Selbstbild und zwischenmenschliche Beziehungen stark beeinflussen können. Ziel der Behandlung ist es, ein inneres psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen und damit die Lebensbewältigung zu verbessern.
Neben inneren Konflikten spielen auch frühe ungünstige Erfahrungen eine wichtige Rolle. Vernachlässigung, emotionale Kälte oder Gewalterfahrungen können die Entwicklung zentraler Fähigkeiten wie Selbstwahrnehmung, Gefühlsregulation und Beziehungsfähigkeit beeinträchtigen. Dies kann dazu führen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, stabile Bindungen aufzubauen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen oder Konflikte konstruktiv zu bewältigen.

Zum besseren Verständnis ein fiktives und stark vereinfachtes Fallbeispiel einer tiefenpsychologisch-fundierten Psychotherapie

Eine 32-jährige Frau sucht Unterstützung, weil sie seit längerer Zeit immer wieder unter Phasen von Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit leidet. Sie beschreibt, dass sie sich innerlich oft leer fühlt und es ihr schwerfällt, Freude oder Energie im Alltag zu finden. Besonders belastend sind für sie Konflikte in ihrer Partnerschaft. Immer wieder erlebt sie, dass sie sich einerseits nach Nähe sehnt, andererseits aber zurückschreckt, sobald sie das Gefühl hat, zu abhängig zu werden. Diese Widersprüchlichkeit führt zu Spannungen und Streit, die sie zunehmend zermürben.

Inhaltlich konzentriert sich die psychodynamische Psychotherapie vor allem auf die Bearbeitung aktueller Konflikte sowie auf die Auswirkungen früherer biografischer Prägungen, die sich in den heutigen Lebenssituationen und Beziehungen bemerkbar machen. Ziel ist es, ein inneres psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen und damit die Lebensbewältigung zu verbessern.

Ein Blick in ihre Lebensgeschichte zeigt, wie sich diese Muster entwickelt haben. Sie wuchs als ältestes von drei Kindern auf. Ihr Vater war häufig beruflich unterwegs, und ihre Mutter reagierte oft wechselhaft – mal sehr fürsorglich, mal abweisend und kühl. Schon als Kind fühlte sie sich dafür verantwortlich, ihre jüngeren Geschwister zu versorgen und stark zu sein, während ihre eigenen Bedürfnisse kaum Raum bekamen. Nähe hat sie deshalb früh zugleich als etwas Sehnsuchtsvolles, aber auch als unsicher und unzuverlässig erlebt.
Heute spürt sie die Folgen dieser Erfahrungen in ihrem Erleben und Verhalten: Sie hat Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen, sucht sich aber gleichzeitig nach Geborgenheit. Dieses innere Hin- und Her macht es ihr schwer, stabile und erfüllende Beziehungen zu führen. Auch im Beruf zeigt sich das Muster – sie übernimmt viel Verantwortung, tut sich aber schwer damit, Unterstützung anzunehmen.

In einer psychodynamischen Psychotherapie können diese unbewussten Konflikte bewusst gemacht und in der therapeutischen Beziehung bearbeitet werden. Dabei unterstützt der:die Psychotherapeut:in, die zugrunde liegenden Ursachen der Beschwerden zu verstehen und neue, weniger belastende Wege im Umgang mit Gefühlen und Beziehungen zu entwickeln. Die gemeinsame Arbeit erfordert Offenheit und Vertrauen, denn sie kann mitunter anstrengend und konfrontierend sein. Gleichzeitig bietet die therapeutische Beziehung einen geschützten Raum, in dem Patient:innen neue, sogenannte korrigierende Erfahrungen machen und wichtige Fähigkeiten zur Selbstwahrnehmung und Beziehungs­gestaltung stärken können. Auch wenn der Prozess Zeit braucht und manchmal schwierig ist, kann er sehr lohnend sein und zu mehr innerer Stabilität, Lebensqualität und psychischer Gesundheit führen.

Einen Therapieplatz finden

Sie suchen als Patient:in einen Therapieplatz für eine psychodynamische Psychotherapie? In der folgenden Übersicht finden Sie qualifizierte Psychotherapeut:innen, nach Bundesländern sortiert. So haben Sie die Möglichkeit, gezielt nach passenden Psychotherapeut:innen in Ihrer Nähe zu suchen und Kontakt für ein Erstgespräch aufzunehmen.