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Stellungnahme der Deutschen Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie/Psychodynamische Psychotherapie (DFT) e.V. zur Verklammerung der TP/AP in der Entwicklung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO)

Stellungnahme der DFT e. V. zur Verklammerung der TP/AP Weiterbildung in der MWBO

 

Am 06.03.2020 fand in Frankfurt am Main ein DFT Institutetreffen und eine Mitgliederversammlung statt, in der sich der alte Vorstand verabschiedete und ein neuer Vorstand gewählt wurde. Anwesend waren 25 Personen, davon 20 ordentliche Mitglieder und 14 Institutevertretungen, so dass es insgesamt 34 gültige Stimmen gab.

Der alte Vorstand bedankte sich vielmals für das Vertrauen der Mitglieder und Institute. Nachdem er zurückgetreten war, wurde vorgeschlagen, einen Generationswechsel im Präsidium zu vollziehen. Mit einem Altersdurchschnitt von Mitte Vierzig, mit vier Frauen und einem Mann typisch für die moderne Psychotherapielandschaft, wurden den Mitgliedern als neues Präsidium David Roth als Präsident, Lalenia Zizek (Vorschlag Institute) und Antje Orwat-Fischer als Vizepräsidentinnen sowie Isabel Brantsch (Vorschlag Institute) und Antje Gumz als Beisitzerinnen vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte ohne Gegenstimmen einstimmig. Alle Vorgeschlagenen nahmen die Wahl an.

 

Vorstellung des neuen Vorstandes

David Roth (Präsident) ist Psychologischer Psychotherapeut für Einzel- und Gruppe, niedergelassen in München. Sein Schwerpunkt ist, eine intersubjektive, aktive, körperbezogene und mentalisierungs-orientierte Haltung in den psychodynamischen Praxisalltag zu integrieren​. Er arbeitet auch als Psychodynamischer Team- und Organisationsberater im stationären und ambulanten klinischen Bereich. Zusätzlich ist er als Dozent, Supervisor und Lehrtherapeut für tiefenpsychologisch fundierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie tätig. Bisher war er als kooptiertes Vorstandmitglied der DFT tätig; er vertritt die DFT in der BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft)​, ist Mitglied der DFT Arbeitsgruppe MWBO und trägt zusammen mit Isabel Brantsch die Projektverantwortung für DFT Digital.

Lalenia Zizek (Vizepräsidentin) ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit tiefenpsychologischem Schwerpunkt und hat an der FH Potsdam die Professur für Bildung, Beratung, Förderung und Therapie im Kindesalter inne.​ Sie lehrt als Dozentin an mehreren Ausbildungsinstituten u. a. für Berichterstellung, Behandlungspraxis, Säuglingsforschung und Familientherapie. Auch ist sie tätig als Prüferin im Staatsexamen für das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen. Von der DFT wurde sie als KJP-Expertin im Rahmen des BPTK-Projekts zur Reform der MWBO entsandt und ist Mitglied der DFT Arbeitsgruppe MWBO.

Antje Orwat-Fischer (Vizepräsidentin) ist Psychologische Psychotherapeutin für tiefenpsychologische Einzel- und Gruppentherapie, angestellte Psychologin im stationären akutpsychiatrischen Bereich und niedergelassen in Darmstadt. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gerontopsychotherapie und Recovery von schwer traumatisierten Menschen sowie die Behandlung komorbider Störungen. Zusätzlich arbeitet sie als Dozentin, Mentorin, Supervisorin und Lehrtherapeutin für tiefenpsychologische Einzel- und Gruppentherapie. Für die DFT war sie bisher als kooptiertes Mitglied des Vorstandes tätig, ist Mitglied der DFT Arbeitsgruppe MWBO und vertritt die DFT im GK II. 

Isabel Brantsch (Beisitzerin) ist Psychologische Psychotherapeutin für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und arbeitet in der ambulanten Versorgung in Köln. Sie lehrt als Dozentin an der Köln Bonner Akademie für Psychotherapie und hat sich schon während der Ausbildungszeit berufspolitisch als PIA Sprecherin u.a. auf Landesebene engagiert. Sie ist Delegierte der Psychotherapeutenkammer NRW, vertritt die DFT in der BAG, ist Mitglied der DFT Arbeitsgruppe MWBO und verantwortet zusammen mit David Roth das Projekt DFT Digital. Zudem war sie als kooptiertes Mitglied im Vorstand für die DFT aktiv und ist Ansprechpartnerin für die PIAs in der DFT.

Antje Gumz (Beisitzerin) ist Professorin für Psychosomatik und Psychotherapie an der Psychologischen Hochschule Berlin. Ihr Schwerpunkt ist die psychodynamische Psychotherapie- und Ausbildungsforschung zu Themen wie z. B. Allianzfokussiertes Training (Umgang mit Spannungen und Krisen in der Therapiebeziehung) oder What makes a good therapist? (Interpersonelle Fähigkeiten von TherapeutInnen). Sie ist Leiterin des postgradualen Masterstudiengangs TP​ und arbeitet zusätzlich als Oberärztin und Projektleiterin an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Sie ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (TP), Psychoanalytikerin und ​Systemische Therapeutin (DGSF). Ebenso ist sie als Supervisorin und Lehrtherapeutin tätig und ist Mitglied der Society for Psychotherapy Research, des Dt. Kollegiums für Psychosomatische Medizin, der Arbeitsgruppe ​psychodynamischer Professoren und ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der DFT. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift “Psychotherapeut”.

Wofür wir stehen…

Es ist dem alten Vorstand gelungen, im DFT-Präsidium nach Jahren des Zwists bei allen Unterschieden wieder eine offene Haltung und einen wertschätzenden Umgang zu etablieren. Dies ist ein großartiges Erbe, das wir gerne fortführen wollen. Als Teamworker freuen wir uns darauf, die vielen Kompetenzen des breit aufgestellten neuen Vorstandes zu nutzen. Wir stehen für das Zusammenwachsen von psychodynamischer Praxis und Forschung durch Vernetzung, Austausch und die Zusammenarbeit bei Forschungsprojekten. Wir möchten die Methodenvielfalt in den psychodynamischen Verfahren fördern, ohne dabei unsere Wurzeln zu vergessen und sehen die integrativen und integrierenden Möglichkeiten der Psychodynamischen Psychotherapie innerhalb der Therapieschulen. All dieses erfolgt auf der Basis eines humanistisch-ressourcenorientierten Menschenbildes und einer psychodynamisch intersubjektiv-relationalen Haltung.

Was wir wollen…

Die psychodynamische Psychotherapie in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Die Umsetzung des neuen Approbationsgesetzes im Psychotherapiedirektstudium, die Entwicklung der MWBO und die Qualität der psychotherapeutischen Versorgung soll auch zukünftig psychodynamisch mitgeprägt sein. Hierfür sind wir als Vorstand in verschiedenen Gremien aktiv, suchen weiterhin den Dialog auf politischer Ebene und werden zu kontroversen Themen Stellung beziehen.

Um vernetzt zu sein und die Möglichkeiten der modernen Kommunikationsmedien für die DFT zu nutzen, wird noch in diesem Jahr der Relaunch der DFT-Webseite stattfinden. Dies soll neben vielen Angeboten für unsere Mitglieder auch das öffentliche Bewusstsein für den traditionellen Reichtum der psychodynamischen Verfahren stärken. Der Austausch zwischen den psychodynamisch Tätigen, egal ob Niedergelassene, Institute, PIAs oder ForscherInnen, soll gefördert werden. Ein schwarzes Brett soll etabliert werden, auf dem Annoncen zur Praxisabgabe oder andere Anfragen inseriert werden können. Es wird die Möglichkeit geben, etwas über die aktuelle psychodynamische Forschung zu erfahren und ggf. an Studien teilzunehmen.

Der psychodynamische Nachwuchs ist uns ein Herzensanliegen. Deshalb wollen wir auch weiterhin Stellung beziehen zu den prekären Beschäftigungsverhältnissen der PIAs und eine angemessene Bezahlung einfordern. Damit der Nachwuchs überhaupt psychodynamisch ausgebildet werden kann, ist eine Refinanzierung der Ausgaben der Institute für die Ausbildung der KandidatInnen unerlässlich, um eine Wirtschaftlichkeit der Institute zu gewährleisten. Hierin wollen wir die Institute tatkräftig durch Gespräche auf politischer Ebene und durch Gremienarbeit unterstützen.

Die psychodynamische Psychotherapie muss sich, um auch zukünftig in der Richtlinientherapie bestehen zu können, wissenschaftlich mit wichtigen Themen auseinandersetzen, wie z. B.: Was macht einen guten Therapeuten bzw. eine gute Therapeutin aus? Wie muss eine Aus- und Weiterbildung, mit welchen Inhalten, mit welchen didaktischen Methoden organisiert sein, um dem Nachwuchs das Rüstzeug, ein guter Therapeut bzw. eine gute Therapeutin zu sein, an die Hand zu geben? Uns ist deshalb eine Psychotherapieforschung aus der Praxis, für PraktikerInnen, mit PraktikerInnen, besonders wichtig und wir werden dies auch weiterhin durch Promotionsstipendien und Kooperationen mit psychodynamischen ForscherInnen unterstützen. Dabei ist uns die qualitative Forschung als Ergänzung zu quantitativer Forschung​​ ein wichtiges Anliegen.

Wir sind uns der besonderen gesellschaftlichen Verantwortung als PsychotherapeutInnen bewusst und wollen uns deshalb mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen, sei es das Klima, sei es die Digitalisierung, der Umgang mit globale Herausforderungen durch neue Krankheitserreger oder der Patientenschutz und die -versorgung – und dies für jedes Alter! Uns ist es ein Anliegen, AusbildungskandidatInnen die Angst vor der Behandlung älterer Menschen zu nehmen und die Gruppenpsychotherapie zu fördern, damit möglichst viele Menschen an psychodynamischer Psychotherapie partizipieren können. Ein besonderes Herzensanliegen ist uns, die Qualität der Aus- und Weiterbildung von Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen zu sichern und wir sind dafür in den Gremien zur MWBO aktiv tätig. Es ist wichtig, das Bewusstsein für die hohe Relevanz und Wirksamkeit der Tiefenpsychologie als beziehungsorientiertes Therapieverfahren für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zu erhöhen – denn unsere Kinder sind unsere Zukunft.

Um mehr Power in den Gremien zu haben, ist es unerlässlich, Mitglieder zu gewinnen. Deshalb bieten wir ab sofort neuen ordentlichen Mitgliedern zum Einstieg im ersten Jahr einen Jahresbeitrag von 50% an. Auch möchten wir „Mitglieder werben Mitglieder“ fördern. Wenn Sie als ordentliches Mitglied ein neues ordentliches Mitglied für den Fachverband gewinnen, erhalten Sie in dem Jahr ebenfalls eine Ermäßigung des regulären Mitgliedbeitrags von 50%. Gerne möchten wir die Anregungen der Mitglieder auf der MV aufgreifen und unser fachlich inhaltliches Profil schärfen. Wir freuen uns deshalb auf Zuschriften, Mails und Ihre Meinungen und Wünsche unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und werden im nächsten Newsletter darüber berichten.

Wir möchten uns ​als neu gewählter Vorstand für das entgegenbrachte Vertrauen bedanken. Wir freuen uns, für Sie aktiv tätig zu sein. Unser Kernanliegen innerhalb der DFT ist, mehr Beziehung und Vernetzung zwischen psychodynamisch arbeitenden Menschen zu erreichen.  Wir hoffen, Sie bald auf Fortbildungsveranstaltungen oder der nächsten MV zu sehen. 

Es grüßt Sie herzlich das neue Vorstandsteam,

David Roth, Lalenia Zizek, Antje Orwat-Fischer, Isabel Brantsch und Antje Gumz

Die DFT protestiert gegen die defizitäre Finanzierung der zukünftigen Weiterbildung im Ausbildungsreformgesetz der Psychologischen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und die Nutzung des Gesetzes als Omnibus für willkürliche Systemänderungen, die Qualität und Bestand der psychotherapeutischen Versorgung bedrohen und hat daher eine Pressemitteilung zum Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz herausgegeben, welches am 26.09.2019 im Bundestag verabschiedet wurde. 

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