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Aufbauend auf den Untersuchungen von Geiser et al. (2009, 2014) soll in der vorliegenden

multizentrischen Evaluationsstudie vertiefend geprüft werden, inwiefern unter naturalistischen

Bedingungen in einer prospektiven, kontrollierten Studie im Rahmen ambulanter

tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie deren Wirksamkeit sowie die Nachhaltigkeit

psychotherapeutischer Behandlungsergebnisse belegt werden können.

In die vorliegende Untersuchung fließen 5542 Patienten (3530 Frauen, 2012 Männer) ein;

insgesamt 308 vollständige Datensätze. Diese haben sowohl zu Beginn der Therapie als auch am

Therapieende einen Fragenkatalog bestehend aus dem VDS90, VDS30, HEALTH, IES sowie

DES-II bearbeitet. Zudem erhalten alle Patienten, die in Therapie vermittelt werden, und deren

Therapeuten ebenfalls zu Beginn und am Ende einer Psychotherapie einen Fragebogen zur

therapeutischen Beziehung und Prozessvariablen (HAQ), um Aussagen zur "therapeutischen

Beziehungszufriedenheit" sowie "Zufriedenheit mit dem therapeutischen Ergebnis" ableiten zu

können. Die Kontrollgruppe, die im Rahmen des Erstgesprächs bzw. zu Beginn der Wartezeit

sowie mit dem Ende der Wartezeit zu Therapiebeginn getestet wurde, umfasst 291 Personen.

Nahezu zwei Drittel (63.3%) aller Patienten mit beendeter Psychotherapie haben eine

Langzeittherapie abgeschlossen (n=195). Die Patienten mit abgeschlossener Therapie sind

durchschnittlich 39.6 Jahre alt (SD 12.0). Zwei Drittel der Patienten sind Frauen mit einem

durchschnittlichen Alter von 39.0 Jahren (68.5%, n=211; SD 12.3). Mit 44.8% weisen nahezu die

Hälfte aller Befragten seit mehr als vier Jahren Beschwerden auf. Bei 47.1% sind die

diagnostischen Kriterien für mehr als eine psychische Störung erfüllt. Die depressiven

Erkrankungen nehmen den größten Anteil ein. 71.1% aller Patienten mit abgeschlossener

Psychotherapie haben als Haupt- oder Nebendiagnose eine Erkrankung aus dem depressiven

Spektrum. Allein die Diagnose der mittelgradigen depressiven Episode betrifft 31.2% der

Patienten. Ebenfalls häufig sind die Diagnosen im Bereich "Phobische Störungen" (26.6%) und

"Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen" (25%).

In der Behandlungsgruppe zeigen sich im Vergleich der Mittelwerte zum Beginn und Ende der

Therapie auf allen Gesamtwerten der jeweiligen Tests hochsignifikante Symptomreduktionen. In

der Kontrollgruppe fallen im Verlauf der Wartezeit auf einen Therapieplatz signifikante

Verschlechterungen in den Werten der Skalen des VDS90 „Sexualstörung“ und „Schmerzstörung“

auf. Eine genauere Auswertung der Relevanz der Kurz- und Langzeittherapie für die

Symptomreduktion in den einzelnen Unterskalen der Tests zeigt einige Unterschiede in beiden

Therapiegruppen. Während nach abgeschlossener LZT die Werte des DESII höchst signifikant

reduziert sind, kann für die KZT kein Nachweis einer signifikanten Differenz erbracht werden. Auch

für den VDS30 als Erhebungsinstrument für insbesondere dysfunktionale Aspekte der

Persönlichkeit führen sowohl LZT als auch KZT auf nahezu allen Skalen – bis auf die Skala

„passiv-aggressiv“ in der KZT-Bedingung – zu höchst signifikanten Veränderungen. Sowohl die

KZT- als auch die LZT-Bedingung führen für jede der Skalen des IES und HEALTH-79 zu höchst

signifikanten Reduktionen der Symptome. Für die Skalen des VDS90 fällt das Ergebnis nicht so

eindeutig aus. Um Aussagen zur Zufriedenheit der Patienten und deren Therapeuten mit der

therapeutischen Beziehung sowie mit der Behandlung treffen zu können, wurde der HAQ

eingesetzt. Sowohl bei Patienten als auch deren Therapeuten steigt die Beziehungszufriedenheit

zum Ende der Behandlung hin höchst signifikant an.

Bonn, den 26.2. 2015